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Jede Konsole hat ihr Spiel. Dieses Spiel muss nicht zwangsläufig das beste Spiel sein, aber irgendwie wird es umgeben von einem Charme, der es aus den anderen Spielen hervorstechen lässt. Glücklicherweise gehört der Virtual Boy hier nicht zu den ruhmlosen Ausnahmen in der Konsolengeschichte (N-Gage, Pokémon Mini…), sondern hat auch SEIN Spiel. Der Name: Red Alarm.

Zur (heute überholten und wie bei den meisten Shootern eher belanglosen) Story: Am Ende des 20. Jahrhunderts begann auf der Erde der Dritte Weltkrieg, der insgesamt 70 Jahre andauerte. In der letzten Phase des Krieges wurde das K.O.S. (Killer Operating System) geschaffen. Das K.O.S.-Programm vereinte alle biotechnologischen Kenntnisse, um das höchst effiziente Neuralnetz zu schaffen, auf dem KAOS, wie es der Einfachheit halber genannt wurde, basierte. Die Aufgabe der Waffe KAOS war es, Angriffe des Gegners vorherzusagen und auf schnellstmögliche Art und Weise die beste Gegenwehr zu berechnen.
Durch die Überlegenheit von KAOS wurde der Krieg entschieden und der „Commonwealth of Earth“ entstand. Ziel der neuen Regierung war die Erschaffung eines Utopia, wozu zunächst sämtliche Waffen zerstört werden sollten. Auch KAOS wurde heruntergefahren.
Jedenfalls hatte es den Anschein…
Niemand hatte bemerkt, das KAOS ein fühlendes Geschöpf geworden war, mit dem Willen zum Überleben! KAOS fuhr also alle Funktionen herunter, die von außen sichtbar waren, begann aber insgeheim mit der Produktion seiner Armee, mit der er seinen neuen Feind angreifen wollte: Die Menschheit. Als KAOS dann seine Armee losließ, gab es nur noch einen einzigen Tech-Wing Flieger, und die einzige Chance war es, mit diesem in KAOS selbst einzudringen, und es von innen heraus zu zerstören. Und hier übernimmt der Spieler das Kommando!

Empfangen werdet ihr von einem äußerst gelungenen Intro, in dem ihr sehen könnt wie der Tech-Wing im Hangar startet, und werdet so schon einmal auf den Grafikstil von Red Alarm vorbereitet, aber dazu später mehr. Danach kommt ihr auf den Titelscreen, wo ihr entweder das Spiel starten, oder erst mal ins Menü gehen könnt. Einstellbar sind Steuerung, Schwierigkeit und die üblichen, VB-eigenen Grafikoptionen.

Dann kann es aber auch losgehen, und sofort sieht man das, was Red Alarm aus allen anderen VB-Games hervorstechen lässt: Eben die bereits erwähnte Grafik!
Das Spiel ist komplett in Wireframe-Optik gehalten, mit, wenn überhaupt, zwei Schwächen. Die erste ist bedingt durch die Darstellungsart an sich, bei diesem Grafikstil sieht man, wegen mangelnder Texturen, durch sämtliche Objekte hindurch, also auch durch Mauern. Außerdem ist die Sichtweite recht beschränkt, was vor allem bei den Boss-Kämpfen, aber eher weniger in den normalen Levels stört.
Ansonsten gibt sich die Grafik keinerlei Blöße! Der 3D-Effekt des VB kommt wohl in keinem Spiel beeindruckender rüber, schließlich gibt es eine echte 3D-Umgebung zu bestaunen, dementsprechend rechnet der virtuelle Junge auch mehr, als in allen anderen Games, ohne dabei aber in die Knie zu gehen, die Grafik bleibt stets flüssig. Auch mit Effekten wird nicht gegeizt. Animierte Objekte am Wegesrand, durch die Gegend laufende (Strich) Männchen, Morphing... Außerdem ist auf dem Bildschirm sehr viel los, was einen eben auch die Sichtweite vergessen lässt. Der Sound steht der Grafik nicht viel nach. Die Geräuscheffekte und treibende Musik sind für VB-Verhältnisse sehr gelungen und außerdem gibt es ein paar Sprachsamples zu hören.

Aber was nutzt einem die Technik, wenn das Gameplay nicht stimmt? Allerdings gibt es auch hier fast nichts zu beklagen. Am ehesten kann man das Spiel noch mit Star Fox auf dem guten alten SNES vergleichen. Allerdings gibt es auch einen Hauptunterschied: Ihr fliegt nicht stur geradeaus wie beim Vorbild, ihr könnt rückwärts fliegen oder auch wenden, wenn ihr wollt. Ansonsten versucht ihr die teilweise arg verwinkelt (aber nicht Labyrinth-artig) aufgebauten Levels zu durchfliegen und an deren Ende zu gelangen.
Auf dem Weg dorthin werdet ihr fast ununterbrochen attackiert. Bei einem Treffer explodiert ihr nicht sofort, ihr habt auf bis auf 10 Einheiten aufstockbare Schilde. Finden könnt ihr auf dem Weg außerdem Power-Ups für Geschwindigkeit und Missiles. Dank der guten Steuerung, bei der wirklich jeder Knopf benutzt wird, kommt es aber wirklich nur auf das eigene Geschick an. Mit dem linken Steuerkreuz wird normal nach oben und unten gesteuert und gewendet (haltet ihr dabei L gedrückt, wird das Wenden dadurch beschleunigt), während ihr mit dem rechten schnell in jede Richtung „sliden“ könnt, um so Geschossen besser auszuweichen. Mit A beschleunigt ihr (2, bzw. mit Power-Up 3 Stufen) und mit B werdet ihr langsamer und könnt sogar anhalten oder eben rückwärts fliegen. Mit dem R-Knopf schießt ihr normale Geschosse, oder wenn ihr einen Gegner im Visier eingeloggt habt auch Lenkraketen. Mit Select könnt ihr zwischen vier Perspektiven wählen, wobei die eindrucksvollste, aber nicht beste, wie so oft die Ego-Perspektive ist.
Wenn ihr am Ziel des Levels ankommt, gelangt ihr in die sogenannte „Danger Zone“. Dort habt ihr ein frei befliegbares Areal und kämpft gegen den Boss des Levels. Hier wirkt sich die beschränkte Sichtweite wie gesagt negativ aus, weil man teilweise schon suchen muss, bis man den Endgegner endlich mal wieder sehen kann. Wenn man nicht aufpasst und im Level vorher sehr getrödelt hat, kommt man mit dem begrenzten Treibstoff-Vorrat unter Umständen in Bedrängnis…
Einziger wirklich nerviger Punkt ist, das man nach dem Abschuss des Schiffes und somit dem Game Over immer wieder am Anfang des Levels starten muss, statt wieder in der Danger Zone abgesetzt zu werden.
Die leider nur 5 ( "+1" ) Levels bieten einiges an Abwechslung, zum Beispiel Hangars, Höhlen oder auch Tauchabschnitte (allerdings ohne Einwirkung auf die Steuerung) inklusive sehr einfacher Wellenanimationen.

Zu entdecken gibt es auch einiges, von einem Virtual Boy am Wegesrand bis zum Miniatur-Häuschen, Easter-Eggs gibt es also mehr als genug. Eine genauso gelungene Spielerei ist die Replay-Funktion, die euch erlaubt, den gesamten Flug durch den aktuellen Level, entweder nach dem Game-Over oder nach dem Bestehen noch mal aus allen erdenklichen Perspektiven anzusehen.

Dieses Spiel ist ein absoluter Pflichtkauf für jeden VB-Besitzer, erstens wegen der Technik, und zweitens, weil es auch ein sehr gutes Spiel ist, was nun wirklich in keiner Sammlung fehlen darf!