Was die Entwicklungsdauer angeht, so ist die Geschichte von Alberto Covarrubias' Virtual Boy Version des Spiels Tron aus dem gleichnamigen Film eine lange. Nachdem das Spiel ursprünglich zeitgleich zur Veröffentlichung des Virtual-E C Compilers (VECC) im Oktober 2000 als Sample Code für Albertos -immer noch unveröffentlichte- Dokumentation über den Affine Modus angekündigt wurde, wurde es still um das Projekt „Tron“. Für 8 lange Jahre, bis es Alberto Anfang Mai 2008 wie aus dem Nichts und völlig unerwartet veröffentlichte. Zu diesem Zeitpunkt war es ein kleiner Meilenstein, bot es doch als erstes veröffentlichtes Virtual Boy Homebrew-Projekt volle Sound-Unterstützung. Das Spiel begeistere mit zu hauf coolen Affine-Effekten und belegte später den vierten Platz der PVB Coding Competition.

Nach dieser kleinen Geschichtsstunde wollen wir nun aber mal das Spiel selbst näher unter die Lupe nehmen.

Das Spiel gestartet, wird man von Virtual-E Versionen der Warnungs- und Einstellungs-Bildschirme begrüßt. Im anschließenden Intro fliegen einem ein Tron Logo sowie diverse „Platten“ ins Gesicht, bevor der folgende Titelbildschirm mit einem herein zoomenden Logo und einem Mode 7-mäßigen Affine-Hintergrund zum Drücken der Start-Taste auffordert. Hübsch. Das ist doch schon mal ein guter Einstand!

Die nächste coole Idee folgt sogleich in Form eines kleinen Spielintros. Dieses zeigt einige Infos, die, während sie Buchstabe für Buchstabe auf dem Bildschirm erscheinen, langsam nach hinten weg klappen. Ein anschließend kurz herein fadendes „Ready“ kündigt es noch an, und schon im nächsten Moment versetzt einen eine Kamerafahrt von hoch oben auf das Spielfeld.

Das Spielprinzip ist denkbar einfach. Aus der Vogelperspektive schaut man auf ein quadratisches Spielfeld, auf dem mehrere futuristische Motorräder fahren, die in ihrer Fahrt hinter sich Wände aufziehen. Diese können ihre Fahrtrichtung lediglich um einen rechten Winkel ändern. Der Spieler muss nun mit dem eigenen Fahrzeug derart Wände hochziehen, dass alle Gegner von ihnen eingeschlossen werden und gegen die Wand fahren müssen, ohne selbst gegen eine Wand zu fahren. Oder aber er überlebt einfach länger als alle anderen.

Zu Beginn bekommt man es mit nur einem Gegner zu tun, später werden es bis zu vier. Außerdem werden in höheren Levels zunehmend mehr und mehr Hindernisse in Form von kleinen Blöcken in der Mitte des Spielfeldes platziert.

In der linken oberen Ecke läuft ein Timer herunter, das Spiel ist jedoch immer bereits vorbei, bevor dieser abläuft. In der Mitte sieht man seine Punktzahl und rechts oben sind die verbleibenden Versuche abgebildet. Insgesamt hat man 3.

Nach dem Ableben erblickt man die Nachricht „Game Over“, im Erfolgsfall gefolgt von „New Record“ und seiner Punktzahl. Beide klappen sie im Stile des Spielintros vom Gesicht des Spielers nach hinten weg.

Das Problem des Spiel ist leider ein zentrales, nämlich das Spielprinzip an sich. Dieses kann kaum sehr lange fesseln. Statt spannender Zweikämpfe hält man sich eigentlich immer nur in der linken unteren Ecke auf und zieht nicht allzu großzügige Bahnen, bis alle Gegner sich selbst erledigt haben.

Was bleibt, ist die Jagd nach Highscores. Hier offenbart sich leider eine kleine Designschwäche, denn der Top Highscore wird nur dann angezeigt, wenn man auf dem Titelbildschirm für einige Zeit keinen Knopf drückt. Darauf muss man erst einmal kommen. Eine Speicherfunktion fehlt leider, doch wirklich wichtig wäre diese ohnehin nicht gewesen.

Trotz dieser Schwächen ist Tron aber ein sehr gut gemachtes Spiel das mit einigen coolen Ideen und tollen Affine-Spielereien aufwarten kann und entsprechende nett anzusehen ist. Nicht zu vergessen, dass Alberto mit der vollständigen und makellosen Sound-Untermalung mal wieder ein Pionierstück gelungen ist. Schließlich war Tron, wie zuvor bereits erwähnt, das erste veröffentlichte Virtual Boy Homebrew-Projekt überhaupt, das dieses Feature bot. Da das Spiel aufgrund seiner Hardware-Optimierung auf dem Emu leider unter einigen Grafik-Bugs leidet, empfiehlt sich der Einsatz auf Hardware, z.B. mittels FlashBoy.

Fazit:
Leider kann das Spielprinzip nicht lange fesseln, doch die vielen coolen Affine-Effekte und liebevoll gezeichneten Grafiken machen Tron zu einem echten Hingucker. Dank einiger guter Ideen und nicht zuletzt der vollständigen Sound-Unterstützung ist Tron insbesondere für andere Heimentwickler interessant.


Autor: KR155E

Wertung:
Grafik:
8/10
Sound:
7/10
Spielspaß:
5/10
3-D Effekt:
7/10
Kontrollen:
7/10
Langzeitmotivation:
5/10
Gesamt (kein Durchschnitt):
7 / 107 / 107 / 107 / 107 / 107 / 107 / 107 / 107 / 107 / 10
Geil-O-Meter:
(Wie gut ist dieses Spiel verglichen mit seinen
kommerziellen Konterparts?)

3 / 103 / 103 / 103 / 103 / 103 / 103 / 103 / 103 / 103 / 10
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